Brnojamin

Mein Auslandssemester in Jönköping

 
18Januar
2020

Kickoff!!!!!

Nun ist es ziemlich genau eine Woche her, dass ich am Flughafen in Göteborg saß und meinen ersten Blogeintrag in 3 Jahren geschrieben habe. Dort habe ich angekündigt, dass ich mich nach der Einführungswoche wieder melde und euch berichte wie ich die erste Woche in Jönköping erlebt habe. Dies ist gar nicht so einfach, weil die erste Woche komplett verrückt war. Es war nämlich Kickoff Week....

Die Kickoff Week wird von den obigen Semestern organisiert. Jeden Tag fand ein anderes Event statt. In diesen Events wurden uns verschiedene Aufgaben gestellt, die wir als Incomings mit den neuen schwedischen Studenten bewältigen müssen. 
In Jönköping besteht die Uni aus verschiedenen Schulen. Ich bin Student der School of Health and Welfare, Hälso Sektion auf Schwedisch. Die Schulen stellten die übergeordneten Teams da und innerhalb der Schule gab es wiederum kleine Teams. Da das Motto der Kickoff Week die Avengers war, war ich Teil vom Team Captain Amerika oder kurz: Team CAPS!!! 

Montag

Mit relativ entspannten Erwartungen bin ich mit meinen drei Kommilitonen am Montag in die Uni gefahren. Es begann vielversprechend mit einem Frühstück, welches uns die Uni bereitstellte. Dort erfuhren wir einige Sache über die Uni, allerdings war es noch nicht wirklich verständlich, da es zu Beginn so viele Informationen waren. Im Laufe des Tages waren noch einige Sachen zu tun, die aber nicht der Rede wert sind. Spannend wurde es erst wieder gegen Mittag, als wir das erste Mal der Kickoffs Week erfuhren. Dies geschah damit, dass wir in die School of Health and Welfare kamen und uns gesagt wurde, wir müssen weiße Overalls kaufen. Wieso wir das sollten war uns dort allerdings noch nicht bekannt. Dies wurde erst im Laufe des Tages etwas klarer. 
Wie oben erwähnt besteht die Uni hier aus verschiedenen Schulen. Jede Schule hat ihre eigene Overall Farbe. In meiner Schule ist die Farbe Weiß, also hat jeder Student dort einen weißen Anzug. 
Im Laufe des Tages wurden wir in die einzelnen Rituale eingeführt, damit wir den Wert der Overalls zu schätzen wissen und der ist hier sehr hoch. 

Als Abschlussevent am Montag waren wir mit allen Schule in der Campus Arena, der Uni eigenen Turnhalle, und mussten die ersten Aufgaben erledigen. Diese waren beispielsweise, dass wir eine menschliche Pyramide bauen mussten, oder dass wir in 5 Minuten so viele Nationalhymnen wie möglichen sollten. Eine andere Aufgabe war es, dass wir uns 20x um einen Stock drehen mussten und dann unseren Teamkollegen ein high Five geben sollten. Primär sollten wir ziemlich viel Quatsch machen. Am Ende wurden unsere Leistungen bewertet und wir bekamen Punkte für die Endabrechnung. 

Nach all dem ging es zur Preparty unserer Schule. Dort hatten wir die Möglichkeit unsere Aufnäher, die wir bekommen haben auf unsere Overalls zu kleben. Bei jedem Event bei dem wir als Studenten dabei sind bekommen wir einen Aufnäher. Diese werden dann auf den Overalls gesammelt und ergeben so ein Bild an Events, an denen man dabei war. Eigentlich eine ziemlich coole Sache. 
Neben den Overalls ist es auch wichtig, dass man die verschiedenen Tänze kann und davon gibt es verdammt viele. Auch in diese wurden wir am Montag eingeweiht. Beispielsweise hat die School of Health and Welfare einen eigenen Tanz, der immer mal wieder dargestellt wird, wenn dafür Zeit ist. Dazu kommt, dass jedes Team einen eigenen Tanz hat, also mussten wir auch den Captain Amerika Tanz lernen. Und weil das noch nicht genug ist, gibt es ein duzend Lied, zu denen es auch bestimmte Tänze gibt, die man natürlich auch können muss. Für den ersten Tag alles ein bisschen viel..... 

Dienstag

Nach diesem verdammt langen ersten Tag, das Frühstück begann um halb 9 und die Preparty haben wir gegen halb 11 am Abend verlassen, hat der zweite Tag erst einmal mit einer schwedischen Fika begonnen. Wie das Lied es beschreibt, ist es das beisammen sein und gemeinsam eine Kleinigkeit Essen und dazu entweder Café oder Tee zu trinken. Die Fika ist den Schweden heilig und wird sowohl auf der Arbeit als auch in der Uni regelmäßig in den Alltag integriert. Das sollte man in Deutschland auch machen. Nach einer Woche bin ich bereits ein großer Fika Fan.


Zur Fika gab es natürlich auch den passenden Aufnäher für unsere Overalls.

Gegen Abend war es dann wieder Zeit unsere Overalls anzuziehen und an dem Kickoff Event teilzunehmen. Am Dienstag war es eine Art Geisterbahn. Wir waren in den Kellern der School Health and Welfare. Da diese ein altes Krankenhaus ist, war die Geschichte, die uns erzählt wurde, dass in den Kellern noch alte Patienten leben und wir ihre Aufgaben erfüllen müssen damit sie uns wieder gehen lassen. Es war alles sehr beeindruckend dekoriert und auch die Studenten spielten ihre Rollen als verrückte Patienten sehr gut. Wir mussten dann "abgetrennte Organe" suchen und ordnen. In einem Raum voller Stühle mussten wir alle Beine zählen, verschiedene Lieder sollten wir singen und Horrorfilme erkennen. Alles wieder möglichst schnell oder genau, damit wir am Ende wieder viele Punkte für unser Team sammeln konnten.
Nach meistern aller Aufgaben saßen wir noch im Café in unserer Schule und hatten dort auch wieder die Chance Aufnäher zu gewinnen. 
Der zweite Tag war dann nicht so lange wie der erste, aber trotzdem nicht weniger aufregend. 

Mittwoch 

Am Mittwoch hatten wir ähnlich wie am Dienstag zu Beginn ein paar Infoveranstaltungen von der Uni, die aber nicht wirklich relevant waren. Wie an allen Tagen in dieser Woche, war der Nachmittag, wenn die Kickoff Veranstaltung begann das wichtige an diesem Tag. Und der Mittwoch sollte zu meinem Tag werden. Wir trafen uns nachmittags mit dem Team Caps, um gemeinsam in die Campus Arena zu gehen.

Dort fand ein Völkerballtunier zwischen den einzelnen Teams statt. Also spielte beispielsweise Team Captain Amerika gegen Team Hulk Völkerball. Leider ist es so, dass besonders in der School of Health and Welfare vor allem Frauen studieren und an den anderen Schulen man BWL oder Ingenieurwesen studieren kann, vor allem Männer studieren. Dementsprechend waren wir den meisten Teams körperlich weit unterlegen. Mich hinderte dies allerdings nicht alles zu geben. Wir spielten drei Spiele, von denen ich zwei durchspielen musste. Dementsprechend war ich nach dem Turnier platt. Als Team gewannen wir allerdings keins dieser drei Spiele. Als Belohnung für meinen Einsatz bekam ich am nächsten Tag allerdings den Titel "Zero of the Day". Den bekam immer ein Student, der sich am Vortag besonders in Szene gesetzt hat. Also wurde auch dieser Titel auf meinem Overall verewigt. 

Zum Abschluss dieses Tages ging es noch in den eigenen Club der Studenten. Die einzelnen Studentengemeinschaften organisieren gemeinsam einen Club in der Stadt, der nur für Studenten ist. An diesem Abend war "fullmoon party" und wir wurden aufgefordert uns alle zu Schminken. Dort feierten wir dann zu schwedischer Musik, die mich in den nächsten Monaten noch überzeigen muss. Auch dort wurde dann natürlich bei den jeweils passenden Liedern der dazugehörige Tanz aufgeführt und das ist schon sehr cool, wenn dann auf einmal im Club alle gemeinsam denselben Tanz tanzen. 

Donnerstag

Der Donnerstag begann dann sehr faul. Da der Abend zuvor im Akademien, kurz Aka, lang war, wurden in bester studentischer Manier erstmal die ersten Stunden ausgelassen um entspannt in den Tag starten zu können. Gegen Mittag mussten abermals bürokratische Dinge erledigt werden, bevor es am Abend für die Kickoff Veranstaltung wieder zum Aka ging, da dort die Night Mission anstand. Auch dort mussten wir als Gruppe verschiedene Aufgaben erfüllen, die letztendlich am Ende das Schlussergebnis ergaben.

Die Aufgaben an diesem Tag waren zum Beispiel, dass wir uns eine Tanzperformance ausdenken mussten, wir sollten aus Bechern einen möglichst hohen Turm bauen oder einen Sketch aufführen, den wir uns selbst ausdenken mussten. Also wieder lauter Dinge, die hier an der Uni einen hohen Stellenwert haben. 
Auch dieser Abend endete dann mit einer kleinen Party, also wieder wenig Schlaf.....

Freitag

Die Woche neigte sich dem Ende zu. Morgens hatten wir die Möglichkeit auf einer kleinen Messe weiter einen Überblick über die einzelnen Studentenvereinigungen zu bekommen. Neben diesen Stellten sich auch einige andere Unternehmen und Vereine vor. Darunter auch der Basketball Club aus Huskvarna, der in der ersten schwedischen Liga spielt. Durch Freiwürfe hatte man die Möglichkeit Freitickets zu gewinnen. Also hieß es "Confidence Baby" und beide Freiwürfe machen. Gesagt getan. Jetzt muss ich nur noch meine Kollegen überzeugen, damit mich jemand begleitet. 
Danach schauten wir uns noch die Sport Association der Uni an und da es dort die Möglichkeit gibt neben Basketball auch andere Sportarten zu trainieren, trat ich dort gleich bei. Somit gab es einen weiteren Aufnäher für meinen Overall. Zum Abschluss spielten wir noch Tischeishockey gegen einen Dozenten. Wir hatten allerdings keine Chance.

Abends stand dann noch das große "Sittning" dieser Woche an. Auch hier versuche ich mal zu erklären was das ist. 
Die obigen Semester haben sich eine Show überlegt, die thematisch zur Kickoff Week passte. Dafür wurde die Campus Arena in eine Eventhalle mit Bühne verwandelt. Es ging um die einzelnen Superhelden. Es gab verschiedene Tänze, was auch sonst, und Sketche. Alles wurde von den Studenten organisiert und aufgeführt. Dazu gab es in der Pause ein kleines Buffet für uns Gäste. Ich war schwer beeindruckt was die Studenten hier alles auf die Beine stellen für unsere erste Woche. Ein paar Schweden fragten mich auch ob wir das in Deutschland oder Österreich haben, dies wurde dann sehr deutlich verneint. 
In meiner ersten Woche in Dornbirn wurden wir einmal über den Campus geführt. Den Rest der Woche war ich damals sehr allein. 

Nach dem Sittning sind wir wieder zur Preparty unserer Schule gegangen und haben den Abend dort ausklingen lassen. 

Samstag

Final day of Kickoff!!!! Ein letztes Mal den ganzen Tag in unseren Overalls verbringen, ein letztes Mal den ganzen Tag tanzen, singen und feiern. Genau wegen dieser Atmosphäre wollte ich mir trotz einer Erkältung diesen Tag nicht nehmen. So einen Kickoff werde ich wohl nicht noch einmal erleben. 

Am Samstag stand ein Campus Quest auf dem Plan. Aber bevor dieser startete, trafen sich alle Teams in der Campus Arena zu einem Dance off. Jedes Team performte seinen Teamdance und am Ende wurde dann ein Team mit dem schönsten Tanz bestimmt. 
Anschließend sind wir quer über den Campus in die einzelnen Schulen und mussten auch dort wieder einige Aufgaben bewältigen. Diesmal sollten wir beispielsweise eine Orange im Kreis weitergeben, in dem sie zwischen Brust und Kinn steckte und so reihum ging, wir mussten die verschiedenen Tänze der anderen Gruppen lernen und mussten uns der Schuhgröße nach ordnen. Der Tag endete dort wo er begann: in der Campus Arena zur Finalen Siegerehrung.

Bis Mittwoch lag unser Team immer in den Top 3 und am Mittwoch hatten wir sogar für einen Tag die Führung im Gesamtrating. Diese mussten wir dann allerdings in den kommenden Tagen wieder abgeben. Schlussendlich landete Team Captain Amerika auf Platz 5 von 8. 

Es war eine ziemlich aufregende und komplett unerwartete Woche für mich, aber ich bin meinen "Fadders", unseren Teamführern, sehr dankbar für die Anleitung in dieser Woche. Es war wirklich unvergesslich. 

Abschließend lässt sich nur noch sagen, dass ich nach einer Woche zwar noch keine Ahnung von der Uni habe und wie es dort als Student abläuft, aber ich weiß jetzt zumindest wie das Studentenleben in Jönköping sein wird. 

 

11Januar
2020

Willkommen Zurück!!!!

Wow, nun ist es wirklich sehr lange her, dass ich auf diesem Weg etwas geschrieben habe. Es gab aber auch in den letzten zwei Jahren keinen Grund warum ich dies hätte tun sollen. Nun gibt es diesen wieder!!

Nach knapp zwei Stunden Flugzeit sitze ich nun am Flughafen in Göteborg und warte auf meinen Flixbus, der mich anschliesend an meinen Zielort nach Jönköping bringen wird. Dort werde ich die nächsten fünf Monate verbringen und wer lust hat, kann mir hier bei meinen Erlebnissen folgen.
Meine primäre Absicht nach Jököping zu fahren ist mein Studium. Ich werde hier nun ein Auslandssemster absolvieren, aber wie viel ich wirklich studieren werde steht noch in den Sternen. 
Darüber bin ich allerdings auch froh, da besonders das letzte Semester, welches kurz vor Weihnachten endete, recht intensiv war und ich mich nun auf etwas Abwechslung freue. Deshalb freue ich mich auch endlich mal wieder etwas anderes zu schreiben als Hausarbeiten, die dann in der Unibibliothek  verstauben. Jetzt kann ich wieder schreiben was ich will und was ich erlebt habe. 

Als kleiner Ausblick: Ich werde heute Nachmittag in Jönköping ankommen und in meine Wohnung oder Zimmer ziehen, das werde ich erst vor Ort erfahren. Der Sonntag ist dann frei. Ich denke ich werde mich etwas in der Stadt umschauen und mich orientieren. In der nächsten Woche haben wir "Welcome Week" in der Uni. Dort wird uns der Campus gezeigt und was man halt alles wissen muss für das Unileben. Danach werde ich sicher schon das Ein oder Andere zu erzählen haben. 

Bis dahin
Willkommen Zurück!!! 

31August
2017

Ahoj Brno, já budu pohřešovat tĕ

 "Wer die Vergangenheit liebt, der liebt eigentlich das Leben. Die Gegenwart bleibt flüchtig, selbst wenn ihre Fülle sie ewig erscheinen Läßt. Liebt man das Leben, so liebt man die Vergangenheit, denn die Eindrücke der Gegenwart bestehen in der Erinnerung fort" - Jean Paul

Vor einem Jahr bin ich nach Berlin gefahren und habe mich damit auf eine Reise begeben von der ich nicht wusste wohin sie geht. Was erwartet mich im kommenden Jahr? Werde ich schöne Erinnerrungen sammeln? Jetzt ist dieses Jahr vorbei. Ein Jahr Brno. Ein Jahr ASF. Ein Jahr als Freiwilliger. Und ein Jahr voller Erinnerungen, die ich leiben gelernt habe und an die ich noch lange zurück denken werde. 

In den ersten Monaten war ich sehr auf Weihnachten fixiert. Damals dachte ich, dass ich bis Weihnachten gut in meiner neuen Heimat angekommen bin und mich auch gut eingelebt habe. Dem war auch so und Weihnachten kam schneller als gedacht. Ich reiste viel in den ersten Monaten, war in Olomouc, Wien und Prag. Die ersten Besucher waren auch noch vor Weihnachten in Brno. Dann ging es für einige Tage zurück nach Hause und musste mich anfang Januar wieder ganz neu in Brno einleben.

Eine Woche zu Hause und Brno war für mich wieder sehr fremd in den ersten Tagen. Aber auch nur in den ersten Tagen. Die Rückkehr in meine neue Heimat viel mir oft leichter als gedacht. Ob nach Weihnachten oder auch nach unserer großen Reise im März. Obwohl ich immer beführchtete, dass dann das Heimweh nach München kommt, gefiel mir Tschechien immer besser.

In den Wochen nach Weihnachten war ich wieder viel unterwegs. Zwei Mal Seminar, dann mein Trip nach Köln und anschließend der Besuch meiner Eltern. Auch ihnen zeigte ich meine Stadt, auch sie waren, wie alle Besucher positiv überrascht von der Stadt in "Osteuropa". Nein, hier ist nicht alles grauwink

Mit ihnen fuh ich dann ein weiteres Mal nach Hause, weil unser größter Basketballtrip anstand. Gemeinsam mit Flo, Oli und meinem Papa ging es für eine Woche in das ferne Dallas. Dort erfüllten wir uns einen Traum und sahen Dirk Nowitzki dann auch in der NBA spielen. Dass dann auch sein 30K Spiel in unsere Reise fiel, ist wohl nicht mehr zu toppen.

Langsam wurde es in Brno auch wärmer und wir konnten die Stadt dann auch im Sommer genießen. Um draußen zu sein ist Brno super. In den Parks saßen wir oft bis tief in die Nacht hinein. Auch Südmähren wurde mit der ein oder anderen Wanderung erkundet. Mit dem Basketball lernte ich auch nahezu jede Woche neue Leute kennen. Leider beschränkte sich dies meistens auf die Halle oder den Freiplatz. Trotzdem war es immer schön mit neuen Personen zu Spielen und sich zu messen.

Zwischen meinem ersten Tag im Projekt und meiner Abschiedsfeier gestern liegt eine halbe Welt und doch ging alles sehr schnell. Am anfang war ich ohne Sprachkenntnisse und unsicher im Umgang mit den Klienten. Ich bekam sehr viel Unterstützung von den Kollegen und immer positive Rückmeldungen. Gestern verlief dann der ganze Abschied auf tschechisch und ich funktionierte. Und schwer viel er mir. Schwerer als gedacht, aber das ist ja auch ein gutes Zeichen. Ich habe mich dort auch sehr wohl gefühlt und den familiären Umgang mit den Kollegen und den Klienten immer genossen!

Morgen geht es jetzt wieder nach Hause. Damit schließt sich der Kreis. Vor einem Jahr ging die ungewisse Reise nach Berlin. Morgen geht sie nach München. Wie wird es wieder zu Hause zu sein? Bekomme ich Heimweh nach Brno? Bestimmt bekomme ich das. 

Auch wenn es sehr Klischeehaft klingen mag: ich verlasse Brno mit einem lachenden Auge, weil ich dann wieder bei meiner Familie und meinen Freunden bin, ich verlasse Brno aber auch mit einem weinenden Auge, weil ich eine Stadt verlasse, die für ein Jahr mehr als nur ein zu Hause war und in der ich mich wirklich auch zu Hause fühlte!

Poslední výhledem na město. 

Ahoj Brno, já budu pohřešovat tĕ.

 

24August
2017

Věstonice a Řehlovice

Zwei Wochen, zwei tschechische Dörfer, zwei Mal ein bisschen Urlaubsfeeling und 325km Entfernung. Zuerst bin ich mit meiner Arbeit nach Dolní Věstonice gefahren. Dort hat meine Arbeit ein kleines Haus, dass als Ferienhaus genutzt wird. Abfahrt war in Brno um 9 Uhr in der Früh, eine harte Zeitlaughing. Bis dann aber alle Rucksäcke auf beste Tetrisart im Auto untergebracht waren, war es halb 11. Aber ist ja Urlaub, die Zeit spielt keine Rolle. Angekommen erkundete ich erstmal das Haus. Es war wirklich sehr rustikal. Eine bröcklige Hausvassade, ein Schlafzimmer mit Matrazen, die wohl noch aus der kommunistischen Zeit stammen, dafür aber ein sehr schöner und großer Garten mit Feuerstelle, die in den kommenden drei Tagen auch ausgiebig genutzt wurde.

Am Montag sind wir dann nur noch zum Mittagessen gegangen und auf einen netten Spaziergang durch die Umgebung. Věstonice liegt zwischen dem "südmährischem Meer" und den "Pollauer Bergen". Während dem Spaziergang merkte ich, dass die Tage auf tschechisch wirklich eine Herausforderung sein werden. Meine Kollegen sprachen viel und haben viele Witze gemacht, von denen ich leider fast nichts verstand. Am Abend wurde dann das erste Mal gegrillt. Würstl für die Fleischesser und Hermelinkäse für die Vegetarier. An den Abenden war es das selbe: viel tschechisch.

Am Dienstag sind wir dann an ein "Lom" gefahren. Ein Lom ist ein See, der in einem Steinbruch entsanden ist. Ein paar Klienten waren begeisterter vom Schwimmen, andere weniger. Nach drei Stunden im Wasser und in der Sonne mit unseren Bewohnern sind wir wieder zurück in das Haus gefahren und es gab Essen. Nach dem Essen musste ich dann erstmal raus. Ich hatte ein starkes Bedürfnis deutsch zu hörenlaughing. Also bin ich mit meinen Kopfhörern und deutscher Musik los. Ohne wirkliches Ziel vor Augen bin ich einen Hügel in der Umgebung hinaufgelaufen und hatte einen super Ausblick über den großen See.

Bevor es Donnerstag wieder zurück nach Brno ging, hatten wir noch einen entspannten Tag am Mittwoch. Am Vormittag sind wir fast die selbe Strecke gegangen, die ich am Vortag alleine gelaufen bin. Nachmittags sind wir dann an den großen See gegangen. Dort hat die Charitas auch ein Boot. Mit diesem Boot sind wir dann alle gemeinsam raus auf den See gefahren. Für mich war dieser Bootsausflug das Highlight der Tage. 

Am nächsten Tag fuhren wir dann wieder zurück und ich musste noch Arbeiten. Nach der Arbeit bin ich dann aber ganz schön platt gewesen. Trotz dem vielen tschechisch war es für mich sehr schöner Abschluss nochmal so intensiv mit allen Klienten und Kollegen an einem Ort zu sein.

Nach einem schönen letzten gemeinsamen Wochenende mit Hanna und Georg, die nochmal hier zu besuch waren, stand am Montag gleich der nächste "Kurzurlaub" an. Von Montag bis Mittwoch hatten wir unser Abschlussseminar mit ASF in Řehlovice. Das hieß für uns einmal mehr durch das ganze Land zu fahren. Morgens nach Prag, da umsteigen, dann weiter nach Ústi und von da dann nach Řehlovice. 

In Ústi trafen wir nicht nur auf Stana, unsere Landerbeauftragte, sondern auch auf Maeckes. Auf wen? Maeckes ist ein deutscher Rappen, den ich seit diesem Jahr verfolge und immer öfters auf seine Musik treffe. Nach kurzen plausch mit ihm und einem Foto musste ich auch erstmal meinen Mitreisenden erklären wer das jetzt gerade warlaughing. Bekannt ist er leider nicht, seine Musik kann ich trotzdem empfehlen.

Nach diesem Highlight sind wir mit dem Bummelzug die letzten Kilometer gefahren und sind am Kulturhof auf die anderen Freiwilligen gestoßen. Das Seminar wurde mit einem Fußballspiel Böhmen gegen Mähren eröffnet. Leider gewann Böhmen knappfrown. Nach Akroyoga gab es Abendessen und wir saßen bis in die Nacht am Lagerfeuer. Der Mittwoch war auch ohne großes Programm. In erster Linie ging es darum nochmal die Zeit gemeinsam zu nutzen und zu genießen.

Einige bastelten Armbänder, Taschen oder T-shirts, da diese kreative Arbeit nicht so ganz meins war, spielten Phillip und ich die schlechteste Schachpartie der Welt oder saßen nur zusammen und redeten viel über Gott und die Welt. Am Abend wurde dann nochmal gemeinsam gekocht und wir schauten einen Film, den Fiedi über unser gemeinsames Jahr gemacht hat.

Am Mittwoch stand dann nach einem gemeinsamen Frühstück der Abschied an. Da wir wieder quer durch das Land zurück mussten, verliesen wir den Hof schon um 11 Uhr, während die Anderen noch etwas länger blieben. Der Abschied viel aber nicht so schwer wie erwartet, weil man sich in zwei Monaten beim Rückkehrerseminar wieder sehen wirdsmile.

Nach einem intensiven Jahr, dass man gemeinsam verbracht hat, haben sich einige Freundschaften gebildet, die hoffentlich auch über die Grenzen von Tschechien reichen, aber das wird die Zeit zeigen.

10August
2017

Abschiede, Fotos und Musik

Es geht auf die Zielgerade. Heute in drei Wochen werde ich mit meinen Mitbewohnerinnen aus unserer WG ausziehen. In den letzten Wochen standen dann leider schon die ersten Abschiede an. Gerade der erste Abschied war einer der schwersten. Ende Juli sind Hanna und Georg zurück nach Deutschland gefahren. In den letzten gemeinsamen Wochen haben wir fast an jedem Tag etwas gemeinsam gemacht und auf einmal waren sie weg. 

Ihren letzten Tag verbrachten wir auch noch gemeinsam. Bevor es an die letzten Arbeiten bei ihnen in der Wohnung ging, sind wir in das Kuchen Café gegangen. Nach Kuchen, Limo und der letzten Arschlochrunde sind wir in ihre Wohnung um noch zu helfen. Da ihr Auszug auch auf einen Sonntag fiel, war klar wie der Tag enden wird: beim Inderlaughing. Da es Zeitlich etwas knapp wurde sind Katja und ich vorgegangen, bestellten für alle und dekorierten den Tisch mit unseren Abschiedsplakaten und Abschiedsgeschenken. 

In den Tagen davor malten Katja und ich die zwei Plakate. Für Hanna gab es eine kleine Box für ihrer Würfel und für Georg eine Büchlein voll von Zitaten. Immer wenn wir uns getroffen haben, habe ich für Georg ein Zitat aus Philosophie, Film und Politik rausgesucht. Zum Abschied gab es dann eine Sammlung dieser Zitate. 

Einen Tag nach dem Abschied von Hanna und Georg ist eine Fotografin von ASF in unsere Projekte gekommen. Da ASF nächstes Jahr 60 Jähriges Jubiläum hat, gibt es eine Fotodokumentation von den Freiwilligen in den verschiedenen Ländern. Katja hatte die Ehre, die erste Freiwillige zu sein. Am Nachmittag war dann ich dran. Es ging darum die Freiwilligen in deren Projekten und in deren Alltag zu fotografieren. Da dies alles sehr spontan war, musste ich erstmal meine Klienten fragen ob wir das machen können. Sie waren einverstanden. Also sind wir gemeinsam nach draußen und Helena hat viele Fotos von uns gemacht. Zum Teil sollten wir fünf Mal den selben Weg auf und ab gehenlaughing. Das wichtigste war aber, dass mein Klient spaß an der Arbeit hatte.

Zum Abschluss sind Katja und ich noch gemeinsam durch die Stadt und wurden abgelichtet. Leider habe ich die Bilder noch nicht und kann sie euch nicht zeigen. Das wird aber nachgeholt, sobald ich die Fotos habe.

Am vergangenen Wochenende traf ich zufällig eine Arbeitskollegin von mir und wir sind Café trinken gegangen. Dabei kam uns die Idee, das nächste Mal in der Arbeit gemeinsam Musik zu machen. Sie mit dem Klavier, das wir auf der Arbeit haben und ich mit meiner Gitarre.

Also habe ich meine Gitarre mitgenommen und schnell saßen wir zusammen mit den Klienten und haben Musik gemacht. Zuerst habe ich etwas alleine gespielt, wurde dann aber von ihr mit dem Klavier unterstützt. Da sie viel besser Klavier spielt als ich meine Gitarre beherrsche, hat sie gesagt was wir spielen. Wir haben uns auf einige Akkorde und einen Rhythmus geeinigt, die ich auf der Gitarre spielte und sie füllte es dann mit einer Melodie aus. Nach kurzer Zeit haben wir uns eingegroovt und haben gut harmoniert. Zuerst beschränkten wir uns nur auf zwei Akkorde, nahmen dann aber schnell mehrere dazu bis wir am Ende eine sehr schöne und einfache Melodie hatten. Diese wurde dann mal im 4/4tel Takt mal im 3/4tel Takt gespielt.

Das erste Mal, dass ich auf der Gitarre einen 3/4tel Takt spielen konnte. Wir beide hatten sehr viel Spaß, leider können wir das nicht mehr wiederholen, weil gestern unsere letzte Schicht gemeinsam war. Um diese schön abzuschließen Kochten wir ausgiebig. Sie machte Kartoffeln mit Dillsoße und als "Aftertablewink" machte ich Kaiserschmarn. Am Ende rollten die Klienten ins Bett und ich nach Hauselaughing.

In der kommenden Woche fahre ich noch mit der Arbeit in den Urlaub für einige Tage und dann haben wir noch unser Abschlussseminar. Wenn ich dann wieder in Brno bin, habe ich nicht mal mehr eine Woche.... Jetzt geht alles sehr schnell